Es gibt eine einfache Methode, durch die die Grundstruktur eines Horoskops leichter fassbar wird:
Der Aszendent ist der Eingang zum Horoskop, ist die Basis des gesamten Horoskops.
Der Planet Neptun ist unmittelbar mit dem Aszendenten verbunden. (Was im folgenden ausführlich erläutert wird.)
Aufgrund dieser Verbindung ermöglicht der Neptun ein genaueres Erfassen der Zielrichtung des Aszendenten, damit des
gesamten Horoskops.
Neptun kann infolgedessen als grundlegender "Wegweiser" genutzt werden. Es ergibt sich auf sehr einfache Art und Weise
eine Klärung der Grundstruktur des Horoskops.
Zwei Beispiele dazu.
Beispiel Nr. eins:
Gegeben ist Krebsaszendent, der Geburtsherrscher Mond steht im zwölften Haus. Neptun steht im dritten Haus.
Der Geburtsherrscher disponiert durch seine Hausposition den Krebsaszendenten auf das zwölfte Haus. In diesem Haus geht
es u. a. um das Wahrnehmen dessen, was hinter dem konkret Sichtbaren wirkt.
Dieses Erfassen des "Prinzips hinter der Erscheinung" soll aufgrund des Krebsaszendenten über Empfinden, über seelisches
Begreifen geschehen. Es ergibt sich die Fähigkeit zum Empfinden des Eigentlichen, des Hintergründigen, welches, obwohl
selbst möglicherweise unsichtbar, die konkrete Erscheinung der Dinge und des Lebens bestimmt.
Die (Haus-) Position des Neptuns liefert nun gewissermaßen einen Kommentar zur Grundanlage des Aszendenten.
Neptun steht hier im dritten Haus, welches hier kurz als Erkunden der Vielfalt umrissen sei. Das Berichten über das Erkundete
ist dabei ein wesentlicher Teil, insofern gehört also Kommunikation, Darstellen etc. zum dritten Haus.
Neptun sagt in diesem Horoskop also aus, daß das "Empfinden und seelische Begreifen der Hintergründe des Lebens und der
Dinge" unmittelbar mit "Erkunden und Darstellen" verknüpft ist.
Im Beispiel handelt es sich um den Astrologen W. Döbereiner. Er ist insbesondere als schulbildender Astrologe bekannt, der in
intensiver Lehr- und Vortragstätigkeit seine astrologischen Erkenntnisse vermittelt.
Ein zweites Astrologenhoroskop:
Gegeben ist Widderaszendent, der Geburtsherrscher Mars steht im vierten Haus. Neptun steht im siebten Haus.
Geburtsherrscher im vierten Haus: Es geht um Empfindung, um seelisches Begreifen.
Der Widderaszendent steuert Impulsivität bei, das Geben neuer Impulse. Neptun zeigt, daß die Zielrichtung der
Aszendentenanlage im siebten Haus liegt. Im siebten Haus geht es insbesondere um Beziehungen und Partnerschaft.
Das "energisch betriebene" (Widderaszendent) "seelische Begreifen" (Geburtsherrscher im vierten Haus) der
Aszendentenanlage richtet sich also auf Beziehungs- und Partnerschaftsfragen.
Es handelt sich um die Astrologin Mona Riegger, eine astrologische Beraterin und Autorin, spezialisiert auf
Partnerschaftsastrologie. Der Untertitel ihres ersten Buches lautet "Seelische Partnerverbindungen im Horoskop".
Diese beiden Horoskope mögen zur Einstimmung genügen. Die Vorteile dieser Interpretationsart werden in der Praxis meist
sehr schnell klar.
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Wie kommt es nun, daß ausgerechnet Neptun einen Kommentar zum Aszendenten liefern soll?
Zur Erklärung sollen ein paar Gedanken zusammengetragen werden.
Es gibt eine ganz grundlegende Art von Entwicklungslogik, in der ein anfänglich nur ungefähr bestimmter Inhalt sich allmählich
konkretisiert und seine Gestalt findet.
Hat man z.B. Lust, mit einem Freund einen Tee zu trinken, so ist anfangs noch offen, wo und wann man dies macht. Die
konkreten Umstände von Ort und Zeit finden sich später.
Wie entwickelt sich ein Fötus im Mutterleib? Ein anfangs unstrukturiert erscheinender Zellklumpen differenziert sich allmächlich
aus und findet seine Gestalt.
Generell entwickelt sich Neues meist aus einer ersten ungefähren Idee heraus, die sich dann im Laufe der Zeit konkretisiert.
Diese Entwicklungslogik gehört so offensichtlich zum Leben, daß ihre Erwähnung banal erscheinen kann.
Nun nimmt die Astrologie für sich in Anspruch, aus den Strukturen der Himmelsmechanik grundlegende Strukturen des Lebens
zu erkennen.
Wenn diese Art von Entwicklungslogik also tatsächlich eine so grundlegende Strategie der Schöpfung ist, muß sie folglich auch
astrologisch nachvollziehbar sein, und zwar als ebenso grundlegende Erscheinung!
Nun tut sie das tatsächlich, und zwar als eine der grundlegendsten Dinge der Astrologie überhaupt: Als Weg durch den
Tierkreis.
Üblicherweise wird der Tierkreis als Entwicklung von Widder über Stier, Zwilling usw. bis zum Fisch beschrieben.
Der Astrologe Döbereiner konnte aber aufzeigen, daß auch der gegenläufige Durchlauf sinnvoll ist: Der Weg beginnend mit
Fisch über Wassermann, Steinbock usw. bis zum Widder entspricht genau der eben beschriebenen Entwicklungslogik. Es zeigt
sich die Ausdifferenzierung einer anfangs noch unscharfen Idee.
Dabei zeigt der Fisch die generelle, noch unbestimmte Idee selbst. Die nachfolgenden Zeichen Wassermann, Steinbock usw.
fassen diesen unscharfen Inhalt immer konkreter.
Die Häuser eines Horoskops nun sind grundsätzlich mit den Tierkreiszeichen verwandt: Haus eins mit dem Widder, Haus zwei
mit dem Stier usw.
Analog der Bewegungsrichtung durch den Tierkreis von Fisch, Wassermann usw. bis zum Widder kann auch das Hausbild
beginnend mit dem zwölften Haus über das elfte usw. durchschritten werden.
Der Fisch steht also für einen generellen, noch nicht konkretisierten Inhalt, sozusagen für die eigentliche Idee.
Das Pendant zum Fisch ist das zwölfte Haus. Das zwölfte Haus ist der erste Schritt hin zum konkreten Menschen, der erste
Schritt der Vereinzelung, der Individuation aus dem Undifferenzierten heraus.
Es zeigt die spezifische Art des Unterbewußten/Überbewußten eines Menschen, seine spezifische Art des intuitiven Zugang
zum Transpersonalen, zu den generellen Wahrheiten des Lebens.
Insofern zeigt das zwölfte Haus an, um was es im jeweiligen Horoskop überhaupt generell und grundlegend geht. Es beschreibt
die Grundidee des Horoskops, noch nicht aber die Art und Weise der konkreten Verwirklichung dieser Idee.
Der Rest des Horoskops baut auf dieser grundlegenden Aussage auf und ist, so gesehen, eine nähere Erläuterung seines
zwölften Hauses.
Im Beispiel des gemeinsamen Teetrinkens ist das zwölfte Haus sozusagen die Idee des Teetrinkens selbst. Die konkreten
Umstände des Teetrinkens sind dann in den späteren Häusern, also Haus elf, zehn usw. zu finden.
Wo ist nun in der Bewegungsrichtung von Haus zwölf zu Haus elf, zehn usw. der Anfang zu finden? Anders gefragt, wo beginnt
in dieser Sichtweise das zwölfte Haus?
Offensichtlich mit dem Aszendenten.
(Auch bei dieser Sichtweise ist also der Aszendent der Dreh- und Angelpunkt des Horoskops. Insofern scheint sich also auf den
ersten Blick nicht viel zu ändern.
Wie angedeutet wird aber auf systematische Weise eine organische Gesamtdeutung möglich. Mit dieser Deutung können
prinzipiell alle Details des Horoskops in eine stufenweise aufbauende Gesamtdeutung integriert werden, ähnlich dem
organischen Aufbau eines Hauses vom Keller bis zum Dach.
Dieser Deutungsweg wurde von dem Astrologen Döbereiner entwickelt und als "Weg der Aphrodite" bezeichnet. Es existiert
dazu umfangreiche Orginalliteratur.)
Nun zu etwas anderem.
Die Tierkreiszeichen bilden mit ihren planetaren Herrschern eine Einheit, also Widder mit Mars, Fisch mit Neptun usw. Dabei
sind wie geschildert die Tierkreiszeichen (plus ihren zugehörigen Herrscher) mit den Häusern verwandt und verbunden. Mars
z.B. hat eine Verbindung mit dem ersten Haus, die Venus mit dem zweiten und siebten Haus etc.
Diese Verwandtschaft zwischen Zeichen plus ihren Herrschern und Häusern kann für die Interpretation benutzt werden. Die
Planeten und Zeichen einerseits und die Häuser andererseits kommentieren sich sozusagen gegenseitig. So geben die
Planeten Hinweise darauf, wie die jeweils mit ihnen verbundenen Häuser zu verstehen sind, welche Zielrichtung sie haben.
(Eine ausgiebige Schilderung dazu findet sich im Artikel "Die Planeten als Wegweiser der Häuser" im Anhang meines Buchs
"Mechanismen der Zeit".)
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Nun ist das Puzzle vollständig:
Das zwölfte Haus liefert das generelle Grundthema des Horoskops.
Der Beginn des zwölften Hauses ist der Aszendent.
Das zwölfte Haus ist mit dem Fisch und seinem Herrscher Neptun verwandt.
Folglich hilft Neptun, die grundlegende Ausrichtung des Horoskops zu erfassen.
Neptun liefert einen Kommentar zum Aszendenten!
Diese Deutungsansatz kann im ersten Moment überraschen, insbesondere dann, wenn man weder mit dem Weg der Aphrodite
noch mit der Idee der Wegweiserplaneten vertraut ist.
In der Praxis erweist sich diese Art der Deutung jedoch oft als sehr nützlich und bestätigt sich durch ihre offensichtliche
Stimmigkeit. Es ergibt sich meist mit einfachsten Mitteln eine schnelle Klärung der grundsätzlichen Ausrichtung des Horoskops.
Darüber hinaus bringt diese Methode auch des öfteren Einsichten, die ohne diese Verbindung schwerlich sichtbar sind.
Wie bei jeder anderen Deutungsart gibt es aber natürlich auch Situationen, in denen lediglich Bekanntes bestätigt wird. Steht
etwa bei einem Krebsaszendent der Neptun im vierten Haus, so zeigt sich durch den Neptun eben nur eine weitere
Krebsbetonung zusätzlich zum Aszendenten.
Die Wegweiser Planeten können prinzipiell bei allen Häusern als zusätzliche Informationsquelle verwendet werden. Jedes Haus
wird also vom zugehörigen Wegweiserplaneten kommentiert (s. den oben erwähnten Artikel).
Nur geht es eben im Fall des zwölften Hauses und des Neptuns um die ganz generelle Ausrichtung des Horoskops.
Es ist ungefähr so, als ob man in einer unbekannten Gegend nach dem Weg fragt. Man bekommt dann erst mal die ungefähre
Himmelsrichtung gezeigt, mit dem Hinweis, daß man nach zwei Stunden Fußmarsch noch mal fragen soll. Die genaue Kenntnis
der Lage der Gebäude um das Reiseziel herum nützt in diesem Stadium der Reise noch nichts.
Das zwölfte Haus - welches mit dem Aszendenten beginnt - liefert genau diesen ersten ungefähren Hinweis, wohin die Reise
überhaupt gehen soll. Und Neptun liefert dabei aufgrund seiner Verwandtschaft mit dem zwölften Haus ergänzende Hinweise.
Zwei kurze Beispiele zur Verdeutlichung: Eine astrologisch interessierte Frau sagte mir, daß sie Waageaszendent mit Venus im
siebten Haus hat, und auf meine Nachfrage, daß Neptun im zweiten Haus steht.
Aufgrund dieser drei Angaben sagte ich spontan, daß stabile, verläßliche Beziehungen für sie vermutlich außerordentlich
wichtig sind, vielleicht der wichtigste Punkt in ihrem Leben. Sie bestätigte mir dies und sagte mir u.a., daß sie nach Trennungen
von Partnern z. Teil jahrelange Krisen zu bewältigen hatte.
Der Waageaszendent mit Venus in sieben zeigt (u.a.) ein starkes Begegnungsinteresse, Neptun in Haus zwei zeigt, daß sich
dieses Begegnungsinteresse in "stabil verläßlicher, auf Dauer angelegter, geschützter Form" verwirklichen will, als "Form der
konkreten Lebensführung".
Stünde Neptun z. B. in dritten oder elften Haus, wäre Begegnung genauso wichtig, könnte sich aber in wesentlich
unverbindlicherer Weise verwirklichen, z.B. als Kontaktfreude in einem Lokal etc. Abwechslung und Vielfalt wären dann
wichtiger als Beständigkeit.
Noch ein weiteres Beispiel mit Waageaszendent und Venus im siebten Haus. In diesem Horoskop ist die Venus eng mit Mars
konjugiert. Der Waageaszendent mit seinem Begegnungsinteresse, seinen planerischen Interessen und Fähigkeiten etc. ist
also verstärkt auf "energische bis aggressive" Inhalte ausgerichtet ist. Weiterhin wird die Waageenergie, diese geistig-
planerische Ausrichtung bei diesem Menschen durch Sonne und Merkur im siebten Haus nochmals betont.
Neptun steht in diesem Horoskop im achten Haus in Konjunktion mit Pluto. Das "energische Begegnungsinteresse", die geistig
- planerischen Fähigkeiten und Interessen richten sich hier im Gegensatz zum vorherigen Horoskop nicht auf konkrete (Haus
zwei), sondern auf geistige Ordnungsformen (Haus acht / Skorpion), also auf Leitbilder, Zielvorstellungen, Konzepte etc. Im
ungelösten Zustand zeigt Skorpion / Pluto u.a. die Neigung zur übertriebenen Ausrichtung auf solche Leitbilder und Ideale, also
zu Fanatismus, Vorstellungsgebundenheit, Ideologie, Zwanghaftigkeit usw.
Unabhängig also davon, ob man weiss, welcher Mensch hinter diesem Horoskop steckt: Die Einbeziehung des Neptun in die
Grunddeutung macht auf den ersten Blick deutlich, daß dieser Mensch grundlegend (Haus zwölf bzw. Fisch bzw. Neptun) und
intensiv (Neptun sowohl im achten Haus wie auch konjugiert mit Pluto) auf die konsequente Erfüllung von Leitbildern und
Zielvorstellungen angelegt ist.
Es handelt sich um das Horoskop von Adolf Hitler.
Offensichtlich zeigt sich in seinem Denken und Handeln die gesamte skorpionische Analogiekette, also etwa die Neigung zu
Ritualen, seine Auffassung zur "Reinheit der Struktur" der Rassen, von Kunst und Kultur und zur Ausmerzung des Unreinen,
des Schwachen etc.
(Die Potenz der starken geistigen Ausrichtung dieses Menschen ist - bei Einbeziehung des Neptuns - unmittelbar ersichtlich.
Inwieweit diese Leitbilder, dieses skorpionischen "Stirb und Werde" Prinzipien aber zwanghaft oder konstruktiv sind bzw. gelebt
werden, ist aus dem Horoskop nicht mit Sicherheit bestimmbar. Die Wahlfreiheit des Menschen ist prinzipiell immer gegeben.
Jede Zeit sucht sich für ihre Ungelöstheiten ihre Vollstrecker. Hätte Alois Schicklgruber alias Adolf Hitler andere
Lebensentscheidungen getroffen, hätte sich die damalige Zeit einen anderen Vollstrecker geholt.)
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Sehr oft wird ja die Sonne als grundlegender Faktor zuerst in der Deutung betrachtet. Die Sonne zeigt allerdings "nur", wie die
Horoskopanlagen umgesetzt, verwirklicht werden. Sie ist sozusagen das Werkzeug, mit dem die Idee der Aszendentenanlage
umgesetzt wird.
So mag man eine Sonne im Widder bzw. im ersten Haus mit Hammer und Meisel vergleichen, die einen Marmorblock
bearbeiten, eine Sonne im Fisch oder im zwölften Haus mit Aquarellfarben.
Die grundlegende "Idee" des Horoskops aber findet man in der Aszendentenanlage (welches Thema also mit den Werkzeugen
der Sonne dargestellt sein will, vielleicht ein Stilleben oder ein Portrait etc.)
Die Einbeziehung des Neptuns in die Deutung des Aszendenten erleichtert das Wahrnehmen dieser grundsätzlichen Idee des
Horoskops. Der generelle Rahmen des Horoskops wird leichter erkennbar, die Vielfalt der Horoskopdetails gruppiert sich um
ein Zentrum.
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Zur praktischen Durchführung:
Man tue so, als ob der Neptun quasi der Zweitherrscher des Aszendenten ist. Insbesondere die Hausposition des Neptuns
spezifiziert die Zielrichtung des Aszendenten.
Dabei lasse man die spezifische Qualität des Neptuns selbst außer Acht! Wichtig ist lediglich die Stellung des Neptuns, sein Ort
im Horoskop, nicht aber seine spezifische Fischqualität.
Die Fisch- bzw. Neptunqualitäten, also etwa Sensibilität für Hintergründe, Auflösungstendenzen etc. interessieren an dieser
Stelle nicht. Der Neptun fungiert hier nur als eine Art zusätzliches "Hinweisschild", worauf die grundsätzliche Richtung des
Horoskops (= Haus zwölf) zielt, eben als Wegweiser.
(Die Qualität des Fisches bzw. des Neptuns ist schon dadurch gegeben, daß es sich um die Betrachtung des zwölften Hauses
handelt. Diese Methode beruht ja eben auf dieser Verwandtschaft der Zeichen mit den Häuser. Folglich muß die spezifische
Qualität des Neptuns bzw. des Fisches außen vor bleiben. Andernfalls würde jeder Aszendent eine zusätzliche neptunische
Note bekommen.)
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Verwendet man Neptun in der beschriebenen Weise, so ergeben sich neue Aussagemöglichkeiten.
Tatsächlich ergibt sich - verglichen mit üblichen Deutungen - in manchen Fällen praktisch sogar eine Umkehrung der Deutung.
So wird Neptun in seiner Wirkung oft als auflösend beschrieben.
Neptun im ersten Haus etwa steht für eine Zurücknahme des Drangs nach persönlicher Durchsetzung, bis hin - bei noch
ungelöster Form - zu übergroßer Sensibilität, Schüchternheit und Handlungslähme, zur Tarnung und Verschleierung der
physischen Anwesenheit.
Der hier vorgestellte Ansatz ergibt nun geradezu die gegenteilige Aussage: Neptun im ersten Haus zeigt an, daß die Anlagen
des Horoskops prinzipiell auf Verwirklichung im Sinne des ersten Hauses angelegt sind. Das erste Haus zeigt die Person
selbst, ihre konkrete Erscheinungsform und ihr unmittelbares Agieren und Reagieren. Weiterhin auch das, was durch die
Person konkret in die Existenz gebracht oder auch durchgesetzt wird.
Es geht also u.a. um konkrete Sichtbarkeit, die möglicherweise stark mit der Person selbst verbunden ist. Als Indiz für die
Richtigkeit dieses Ansatzes mag man z.B. die überraschende Häufigkeit von Schauspielern mit Neptun im ersten Haus
nehmen.
Es gibt also zwei Betrachtungsebenen, die sich zu wiedersprechen scheinen: Einerseits der schüchterne Neptun in Haus eins,
andererseits der präsente Schauspieler.
Die Verbindung dieser Gegenpole ergibt sich folgendermaßen:
Neptun ist tatsächlich immer mit dem zwölften Haus, damit mit dem Aszendenten verbunden.
Diese Verbindung ist innig, elementar und grundlegend.
Aufgrund dieser Verbindung kann Neptun zum einen als zusätzliches Hinweisschild des Aszendenten benutzt werden.
Zum anderen offenbart sich durch diese Verbindung eine ganz grundlegende Wachstumsmöglichkeit des Menschen:
Die grundlegende Ausrichtung, das grundlegende Potential eines Menschen zeigt sich astrologisch im Aszendenten plus dem
zugehörigen zwölften Haus.
Die Verwirklichung dieses Grundpotentials stärkt den Neptun!
Je mehr das grundlegende Potential und die Möglichkeiten des Aszendenten im Leben verwirklicht werden, umso besser,
subjektiv angenehmer und gleichzeitig umso stärker werden die Auswirkungen des Neptuns und des Fischezeichens.
Die weiter oben beschriebenen Probleme eines ungelösten Neptuns im ersten Haus etwa werden durch Verwirklichen der
Grundanlage allmählich vermindert:
Schüchternheit und Handlungslähme werden zur unaufdringlichen, fließenden Präsenz des Horoskopeigners transformiert.
(Natürlich gilt dies generell: Die Verwirklichung eines Hauses stärkt den zugehörigen Planeten und sein Zeichen. Der Planet
Uranus und sein Zeichen Wassermann etwa werden - aufbauend auf der Grundanlage des zwölften Hauses und eingebettet in
das Gesamtbild des Horoskops - durch die Verwirklichung des elften Hauses gestärkt.
Diesen Zusammenhang von Planetenstärkung durch Hausverwirklichung lernte ich durch eine Andeutung von W. Döbereiner
kennen und entwickelte daraus später die Wegweisertechnik.)
Der Aszendent ist das innerste Ich, das Selbst eines Menschen. Dieses innerste Ich drängt nach Außen, möchte sich im
Äußeren als wirklich bestätigen.
Stärkt ein Mensch Neptun durch die Freude, die er durch die Bestätigung seines Aszendenten erlebt, so wird in der
"Schublade" Neptun aufgeräumt. Dann muß die "Unfreude", das noch Ungelöste im Neptun - Fisch Bereich ihn verlassen. Es
ergibt sich Reinigung, die Heilung der neptunischen Gefilde.
(Nun kann im Verlauf solcher Heilungsprozesse das Ungelöste vorübergehend auch einmal deutlicher sichtbar sein, wenn es
etwa aus seinem Schlummer geweckt wird.
Bei regelmäßiger lebensfördernder Tätigkeit bzw Lebensausrichtung etc verläuft diese Reinigung aber im Regelfall unmerklich,
bei regelmäßiger Verweigerung allerdings auch die entsprechende Verkrustung, die sich dann im Wesen und zum Ereignis und
Schicksal verdichtet.
Im Falle stossweisser, nicht kontinuierlicher Verwirklichung seiner Potentiale kann es aber eben auch mal zu stossweiser
Reinigung des Lebens und Seins kommen, z.B. über Verdichtung dessen, was an Schicksal oder an seelischer Verarbeitung zu
bewältigen ist.
Mit dem eben gebrachte Begriff "lebensfördernd" ist das gemeint, was für den individuellen Menschen stimmig und richtig ist,
und was für einen anderen Menschen definitiv etwas anderes ist. In der indischen Kultur gibt es dazu ein schönes Sprichwort:
"Es ist besser, im eigenen Dharma (sinngemäß etwa: Berufung, richtige Lebensführung) zu sterben als in dem eines anderen
zu leben.")
Wird Neptun nun klarer und stärker, so kann er wiederum umso besser und leichter den Bereich erfüllen, für den er zuständig
ist. Wodurch wiederum andere - astrlogisch definierbare - Bereiche geklärt und gereinigt werden. Insgesamt ergibt sich -
idealerweise - ein sinnvolles und sinngebendes Gesamtbild der Aktivitäten eines Menschen. Dieses Idealbild ist bis zu einem
bestimmten Grad astrologisch sichtbar.
Nun soll hier nicht das Lebens einseitig schöngeredet oder Schmerz und Verzichtspositionen verleugnet werden. Doch es gilt:
Die Verwirklichung der in einem Menschen angelegten Möglichkeiten führt zu seiner Vollständigkeit, zu seinem Glück. Das
Annehmen und Verwirklichen der eigenen Berufung hält einen Menschen im Fluss der Evolution, gibt gleichzeitig der Welt das,
was sie durch diese Person empfangen will.
Und in allen Kulturen der Welt ist die Idee menschlicher Vollendung lebendig, im christlichen Abendland etwa im Begriff des
Heiligen oder in östlch-asiatischen Kulturen im Begriff des Erwachtseins, der Erleuchtung.
Die Verbindung zwischen Hausverwirklichung und Planeten- bzw. Zeichenstärkung scheint mir - innerhalb des Bereiches
astrologischer Definierbarkeit - einen der grundlegenden "Mechanismen" des Wachstums hin zur Vollständigkeit aufzuzeigen.
Und die Vermittlung solcher Zusammenhänge zwischen gelebtem Potential und jeweiliger Lebenswirklichkeit an den
astrologisch Ratsuchenden erscheint mir als der eigentliche und wichtigste Bereich der Astrologie. Die Astrologie in ihren vielen
Ausprägungen und Formen kann vielfach recht gut benennen, welche Inhalte aktuell dran sind, welche Schubladen des
Schicksals jetzt aufgemacht werden. Wie aufgeräumt diese Schubladen aber sind, bestimmt jeder Mensch selbst (auch wenn
der Gestaltungsspielraum unterschiedlich sein mag).
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Technische Feinheiten, leider nicht ganz unkompliziert
Im Falle, daß Neptun sehr nahe bei einer Hausspitze liegt, muß die Zuordnung des Neptuns zum Haus sehr genau
unterschieden werden.
Erklärung dazu:
Aus dem Aszendenten, dem Selbst, dem innersten Kern eines Menschen, formen sich die Lebensgebiete, die sich in den
astrologischen Häusern zeigen.
Dabei entwickelt sich der Aszendent in beide Richtungen: Das erste Haus beginnt mit ihm, ebenso das zwölfte Haus, aus
diesen beiden Häusern ergeben sich dann die weiteren Häuser.
Das zwölfte Haus wird - in dieser Sichtweise - als "Ausdehnung" des Aszendenten verstanden, es beginnt auch mit dem
Aszendenten und entwickelt sich weiter zum elften Haus usw.
Es ergeben sich also zwei Bewegungsrichtungen durch das Hausbild: Ausgehend vom Aszendenten kann man die Häuser im
Uhrzeigersinn und gegen ihn durchlaufen. (Diese beiden Bewegungsrichtungen eröffnen unterschiedliche Betrachtungsebenen,
s. Literatur zum Weg der Aphrodite. Es ist im übrigen auch die "aphroditische" Bewegungsrichtung im Uhrzeigersinn, die der
beschriebenen Stärkung der Wegweiserplaneten durch gelebte Häuser zugrundeliegt.)
Das zwölfte Haus ist ja ein Seinsbereich, der wie jedes Haus von verschiedenen Werten her definiert werden kann. U.a. von
seinen beiden Begrenzugen, also dem Aszendenten und der Spitze des zwölften Hauses.
Neptun ist prinzipiell mit dieser Gesamtheit des zwölften Hauses verbunden und kommentiert diese Gesamtheit.
Benutzt man nun wie hier Neptun als Kommentar des Aszendenten, so geht es damit aber nicht mehr um die Gesamtheit des
zwölften Hauses, mit seinen beiden Begrenzungen. Es geht jetzt um den Teil des zwölften Hauses, der vom Aszendenten her
definiert wird.
Folglich muß man Neptun auch in der Bewegungsrichtung betrachten, in der der Aszendent das zwölfte Haus definiert, also im
Uhrzeigersinn.
Eine einfache Überlegung dazu am Beispiel der Fischeaszendenten:
Würde man hier dem Wegweiser Neptun in der üblichen Weise gegen den Uhrzeigersinn eine Hausbeherrschung zuweisen, so
würde Neptun auch als Wegweiser des Aszendenten automatisch bei jedem Fischaszendenten Haus eins beherrschen.
Folglich bekäme jeder Fischaszendent durch den Wegweiser Neptun eine marsische Note zugewiesen, was natürlich Unsinn
ist.
Bei vielen Wassermann und Steinbockaszendenten aber schneidet das zweite Haus im Fisch oder noch später an. In diesem
Fall ist die Hausherrschaft des Wegweisers Neptuns über das erste Haus stimmig (durch die Herrschaft über das erste Haus im
Uhrzeigersinn), es zeigt sich eine marsische Note der Grundanlage: Der Aszendent plus Zubehör hat mit unmittelbarem
Agieren, mit direkter Durchsetzung zu tun.
Neptun herrscht als Kommentator des Aszendenten also über das oder die Häuser, welches im Uhrzeigersinn vom Fisch
angeschnitten wird.
Zurück zu Neptun: Für den Fall, daß er mitten in einem Haus steht, ist die Unterscheidung der Bewegungsrichtung unnötig.
Steht Neptun aber z.B. genau auf der Spitze des zweiten Hauses, so steht er in der Bewegung im Uhrzeigersinn auf dem
Beginn, damit dem Maximum des ersten Hauses!
In diesem Fall gehört er in seiner Funktion als Wegweiser des Aszendenten zum ersten Haus und muß auch so interpretiert
werden.
Diese Unterscheidung ist wichtig, gleichzeitig meiner Kenntnis nach in der astrologischen Literatur nicht bekannt (auch nicht der
der Münchner Rhythmenlehre).
Die Hausbeherrschung des Neptuns kann zusätzlich zum Stand des Neptuns die Deutung noch verfeinern. Die Hauptaussage
findet sich aber in der Hausposition des Neptuns.
Generell sei angeraten, sich anfangs auf die Hausposition des Neptuns zu beschränken. Damit hat man eine feine, einfache
und - meistens - recht ergiebige Deutungshilfe.
Werner Soranjo Lang
Neptun, grundlegender Wegweiser des Horoskops