Unter diesem Titel veröffentlichte ich Mitte der 90er Jahren einen Artikel, in dem ich eine einfache
Möglichkeit beschrieb, die Feinunterteliungen der altindischen Jyotishastrologie auch in der westlichen
Astrologie einsetzen zu können.
Ich hielt und halte sehr viel von diesen sog "Amshas" oder Feinunterteilungen des Jyotish bzw ihrer
Übernahme in westliche Astrologie, Feinunterteilungen, mit denen Unterhoroskope zu fast allen
Lebensbereichen erstellt werden können. (Also beispielsweise ein eigenes Unterhoroskop für das 10. Haus
usw.)
Der einzige Grund, warum ich diese Techniken in der Praxis kaum angewendet habe, lag bislang darin, daß
die Berechnung per Hand sehr aufwendig ist und eine entsprechende Software nicht in Sicht war.
Vor kurzem wurde mir bewußt, daß die sog. "Harmonics" der westlichen Astrologie und die
Feinunterteilungen des Jyotish zwar verschiedene Berechnungswege gehen, im Prinzip aber das gleiche
Ergebnis erreichen. So entspricht z.B. das 9. Harmonic exakt der 9er Feinunterteilung des Jyotish, dem sog.
Navamsha, dem wichtigsten Unterhoroskop des Jyotish.
Dies ergibt die glückliche Situation, daß damit, wenn auch nicht für alle, doch zumindest für das wichtigste
Unterhoroskop sowie weitere sog. Vargas sofort Software zu ihrer Berechnung auch in der westlichen
Astrologie zur Verfügung steht.
Verschiedene Software Hersteller haben die Harmonics bereits in ihre Software integriert.
Kurz zum Unterschied zwischen der von mir vorgestellten "westlichen" Anwendung der Vargahoroskope und
den Harmonics.
Jyotish unterteilt den Tierkreis bzw die Tierkreiszeichen auf sehr viele verschiedene Arten, ordnet dabei
diesen "Tierkreisportiönchen" jeweils wieder ein bestimmtes Zeichen zu.
Damit fällt jeder Planet und auch der AC in ein bestimmtes Vargazeichen. Zum AC gehört dann wie immer
ein bestimmtes Hausbild, womit die Planeten nicht nur in bestimmten Zeichen, sondern auch in bestimmten
Häusern landen, und fertig ist ein Unterhoroskopbild zu einem bestimmten Lebensgebiet.
Vereinfacht wird dies dadurch, daß bei den Vargahoroskopen stets die Häusergrenzen mit denen der
Zeichen zusammenfallen (Haus=Zeichen), außerdem der genaue Ort der Planeten und des ACs innerhalb
der Tierkreisportiönchen oder Vargas keine Rolle spielt. Ein Planet in einer Stierunterteilung bei einem
FischAC landet im Vargahoroskop somit eben im Stierzeichen im 3.Haus.
Diese Vorgehensweise des Jyotish habe ich einfach auf den westlichen Tierkreis übertragen.
Das einzige Problem bei der Übersetzung in den tropischen Tierkreis war die Bestimmung der genauen
Gradzahl der Planeten und des ACs im Vargahoroskop, die innerhalb mir vertrauter westlicher Systematiken
unverzichtbar sind.
Meine Lösung besteht darin, die Lage der Planeten und des ACs im Vargaportiönchen auf die 30 Grad eines
Zeichens zu übertragen, und diesen neuen AC auf den Geburtsort bezogen zu verwenden. Die Hausspitzen
2 bis 12 ergeben sich dann automatisch. Dies mit dem mir gewohnten Haussystem, und das ist Placidus.
Die Harmonics nun kommen wie gesagt, wenn auch aufgrund einer anderen Vorgehensweise bei der
Berechnung, zumindest beim wichtigen Navamsha und auch anderen Vargas zu exakt dem gleichen
Ergebnis, übernehmen aber unverändert den AC des RADIX. Sie bauen also die neu gefundenen
Planetenstände in das Hausbild des Radix ein.
Und dies ist der einzige Unterschied. Soweit jedenfalls mein bisheriger Kenntnisstand über die Harmonics,
ich bitte ggf um Korrektur.
Da ich die Harmonics nicht kenne, kann ich mir keinerlei Urteil darüber erlauben.
Sicher bin ich mir aber, daß die Übernahme der östlichen Sichtweisen inklusive der Einbeziehung des ACs
auch im Westen Sinn macht. Es entstehen eigenständige Horoskopbilder, die jeweils mit bestimmten
Lebensgebieten korrelieren, bis zu einem bestimmten Grad auch bestimmten Häusern zugeordnet werden
können.
Diese Herangehensweise im Jyotish ist über Jahrtausende tradiert, ihre Signifikanz in diesem System
bestätigt sich in der täglichen Routine tausender Jyotishis. Die Einbeziehung der Vargas ist im Jyotish
selbstverständlicher Standard.
Inwieweit dies auch im westlichen System möglich und sinnvoll wird, wird sich zeigen. Ich gehe jedenfalls
davon aus, daß mit diesen "westlichen Vargas" auch die westliche Astrolgie bereichert wird.
(Es gibt ja durchaus westliche Ansätze, die solche Unterhoroskope ermöglichen, z.B. die sog. Septare der
MRL.
Dabei wird über ein "Zeitecho" der Sonne (ein Solar) jeweils ein bestimmtes Haus wahrgenommen.
Septare funktionieren, keine Frage, aber sie stellen die fraglichen Inhalte bzw Lebensgebiete eben nur aus
dem Blickwinkel der Sonne, damit dem Filter der Sonne dar.
Prinzipiell ist mir ein Ansatz lieber, der Details aus dem Radix gewinnt, damit ungefiltert.)
Noch was: Die Verknüpfungsmöglichkeiten, die durch die Vargas oder auch Harmonics entstehen, sind
immens. Es taucht also wieder mal ein Grundproblem der Astrologie auf, die mögliche Beliebigkeit von
Zuordnung und Deutung. Insofern plädiere ich dafür, den Erfahrungsschatz von Jahrtausenden des Jyotish
zu nutzen und zumindest als Ausgangansbasis von den Zuordnungen der Vargahoroskope des Jyotish
auszugehen.
Kurz zur praktischen Realisierung eines "westlichen" Navamshas (s. Artikel) mittels einer Astrosoftware, die
Harmonics erstellen kann:
Die Astro Sofware “Astroplus” bietet die die hier vorgestellte Einbeziehung des ACs in die Harmonics - bzw
Vargaberechnung optional an. (Einstellungen => astrologische Einstellungen => Experteneinstellungen =>
das Kästchen “Häusersystem bei Harmonics verwenden” anklicken.)
Bei anderer Software stelle man einfach bei einem Radix das 9. Harmonic ein, damit bekommt man die
exakten Planetenstände, plus den (neuen) AC, aber eben noch ohne zugehöriges Hausbild. (Falls man den
neuen AC nicht bekommt, muß man ihn eben selbst ausrechnen.)
Damit kann man sich das Horoskop z.B. ohne Häuser ausdrucken lassen, und die restlichen Häuser
einzeichnen.
Oder man kann durch verschiedene Tricks, je nach Software, das Hausbild auf den Schirm realisieren. Z.B.
das Ursprungsradix zeitlich so verschieben, daß es den gesuchten AC zeigt, dann eine Synastrie dieses
veränderten Radix mit dem Harmoniccharts. Von dem einen Chart bekommt man dann das Hausbild, von
dem anderen die Planeten usw.
Da ich meinen damaligen Artikel nur noch als Ausdruck habe, stelle ich ihn vorläufig nur als Scan ins Netz.
Die Literturliste ist mittlerweile überholt, deshalb habe ich sie weggelassen.
Inhaltlich kann ich den Artikel von damals aus meiner heutigen Sicht im Wesentlichen so stehen lassen, auch
wenn es in Details Korrekturen gibt.
Dann, das im Artikel behandelte sog. Dasamsha, die 10er Unterteilung der Zeichen, kann NICHT mit den
Harmonics berechnet werden. Die Zeichenabfolge im Dasamsha springt bei den Zeichenübergängen, ist
also unregelmäßig.
Ich wünsche viel Erfolg mit diesen Methoden. Es gibt dabei sehr viel zu entdecken.
Die Links zum ursprünglichen Artikel:
Seite 1
Seite 2
Seite 3
Amshatabelle
Beispielhoroskop (dt. Einheit)
2. Teil Beispielhoroskop
Navamsha West (dt. Einheit)
Dasamsha West (dt. Einheit)
Erweiterte astrologische Deutungsmöglichkeiten durch Übernahme östlicher Techniken